Motiviere dich selbst, sonst motiviert dich keiner

Warum?

Das werde ich oft gefragt. Und das frage ich mich ehrlich gesagt manchmal auch selbst.

Warum mache ich das?

Warum halte ich an meinem Trainingsplan fest?

Warum gehe ich laufen, wenn es in Strömen regnet?

Warum kämpfe ich mich 1.000 Höhenmeter hinauf?

Warum starte ich nach einer Trainingspause wieder voll durch, obwohl ich in der Zwischenzeit an Form verloren habe?

Anders gefragt: Woher nehme ich die Motivation für all das? Diese Frage kommt vor allem von den Menschen, die selber die Motivation nicht haben. Oder meinen, sie nicht zu haben. „Ich könnte das nicht“, sagen die dann. Und ich denke „doch, das kannst du auch“. Jeder Mensch ist sportlich. Genetisch bedingt der eine mehr, der andere weniger. Aber einen Marathon kann theoretisch jeder (gesunde) Mensch schaffen, ja sogar noch viel mehr. Wenn er sich ordentlich darauf vorbereitet! Können kann man das, physikalisch gesehen. Aber was diese Menschen nicht können, ist wollen. Und da liegt doch der Hund begraben.

Was sie nicht können ist sich motivieren. Und das verrückte ist, dass das auch kein anderer für sie tun kann. Ich werde dann oft gefragt: „Kannst du mich nicht mal motivieren, dass ich auch mal wieder regelmäßig laufen gehe?“. Nein, das kann ich nicht. Das muss jeder selbst tun. Und das Beste ist: wenn man es jetzt noch nicht kann, kann man es lernen. Ja, es ist wirklich ein Lernprozess, eine Änderung der Gewohnheiten im Gehirn. Aber dieser Gedanke schreckt schon wieder ab. Gewohnheiten ändern, oh mein Gott, das ist das schlimmste, was man einem Menschen sagen kann. Wir alle lieben Gewohnheiten. Sie geben uns Sicherheit, sie sind einfach umzusetzen. Etwas ändern bedeutet Arbeit, Disziplin, Verzicht. Warum sollte man das also tun? Die Frage steht noch immer im Raum. Und jetzt kommt endlich die Antwort:

Jeder muss sein eigenes „Warum“ finden. Und da hilft es gar nicht, wenn ich alle meine „Warums“ zum Besten gebe, und davon habe ich inzwischen etliche. So viele brauchst du gar nicht, ein „Warum“ reicht erst mal, wenn es stark genug ist. Irgendwo in uns schlummert doch etwas, dass wir denken: wir müssten mal. Ich müsste mal wieder regelmäßig laufen gehen. Warum denkst du das? Weil deine Frau dir gesagt hat, dass du eine Wampe angefuttert hast? Weil deine Kollegin am Samstag einen Halbmarathon gerockt hat? Weil deine Enkelkinder dir auf dem Spielplatz immer wieder erfolgreich entwischen? Das scheinen oberflächlich betrachtet die Gründe zu sein. Aber diese Gründe werden uns von außen auferlegt. Das nennt man extrinsische Motivation. Und die kann zwar den Anstoß geben, aber die ist nicht nachhaltig. Das bist nicht du. Das ist nicht deine Meinung. Es ist eine Feststellung aus deiner Umwelt, die du realisierst und auf dich beziehst. Aber für andere etwas zu tun, ist nur bedingt motivierend.

Viel besser ist die intrinsische Motivation. Die kommt aus dir selbst. Die spiegelt deine eigenen Wünsche wieder. Und die musst du finden. Das ist alles. Jetzt kommen wir langsam zum Kern der Sache. Du musst das finden, was für dich allein die Motivation ist. Warum du es machen willst, was du erreichen willst. Willst du es dir selber beweisen? Bist du selber mit deinem Gewicht oder deiner äußeren Erscheinung nicht zufrieden? Hast du Bedenken, dass deine Gesundheit leidet? Stelle zuerst fest, was dich stört. Das ist noch nicht das Ziel, aber es ist der erste Schritt. Und dann wird es wirklich einfach: Stelle dir vor, wie es ist, wenn du es bereits erreicht hast! Stell dir vor, wie du die Ziellinie überquerst. Stell dir vor, wie grandios du im Bikini aussehen wirst. Stell dir vor, wie stolz du sein wirst, wenn du sagen kannst: Ich habe es geschafft! Stelle es dir in allen Facetten vor. Wo bist du? Was hast du an? Was fühlst du? Was wird hinter dir liegen, was vor dir? Fühlt sich das gut an? Dann ist es ein gutes Ziel, eines, dass dich wirklich und nachhaltig motiviert. Halte diesen Moment des Erfolgs in deiner Erinnerung fest. Den Tag, an dem du auf die Waage steigst und dein Gewicht zum ersten Mal unter xx Kilo liegt. Den Moment, wenn du zum ersten Mal geschafft hast, 2 Stunden am Stück zu laufen. Den Augenblick, wenn du realisierst, dass du mehr Klimmzüge als jemals zuvor geschafft hast. Starke Emotionen sind die besten Motivatoren. Sie kommen aus uns und sind nur für uns so unmittelbar und erlebbar. Wenn du so eine Emotion in deiner Vorstellung gefunden hast, wenn du weißt: das ist es, wonach ich strebe, das möchte ich erleben, dann hast du deine Motivation gefunden. Dann hast du das Ziel, worauf du hinarbeiten willst, wofür sich all das lohnt.

Halte daran fest. Stell es dir vor, immer und immer wieder, jedes Mal detaillierter. Klar kannst du dir auch vorstellen, wie dir dein Kollege auf die Schulter klopft. Oder wie deine Freundin neidisch bemerkt, dass du super abgenommen hast und einfach toll aussiehst. Auch das soll in deine Vorstellung mit einfließen. Aber es ist eben nicht alles. Nicht für sie tust du es, sondern für dich!

Hast du deinen Moment schon vor dem inneren Auge? Dann lege jetzt gleich los! Die Wahrscheinlichkeit, dass du diesen Moment in der Realität erlebst ist am größten, wenn du jetzt gleich beginnst. Das Zauberwort heißt anfangen. Jetzt. Nicht heute Abend, nicht morgen. Jetzt. Mit einem Spaziergang, mit einem Salat zum Mittagessen, mit einer Anmeldung im Fitnessstudio, mit dem ersten Schritt auf deinem Weg zu deinem Moment.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei

Zum Schluss will ich aber doch meine wichtigsten „Warums“ nennen. Als Anregung und Beispiele. Vielleicht bedeutet ja jemandem das gleiche „Warum“ wie mir etwas. Und dann habe ich am Ende doch jemanden motiviert. Das wär’s doch!

10 km im Regen für eine Packung Nudeln? Na klar!


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